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Kommunikation existiert schon viele Jahrhunderte. Wahrscheinlich schon seit Entstehung unserer Welt. Denn Kommunikation findet nicht nur durch Sprache statt, sondern zum Beispiel auch durch Schwingungen.

Unser hauptsächliches Kommunikationsmittel ist unsere Sprache. Sie entwickelt sich ständig weiter. Und es gibt sie in vielen Variationen. Egal ob gesprochen oder in Schrift, überall begegnet sie uns. Sie ist hochkomplex, verbindet Laute zu Silben und zu Worten. Diese aneinandergereihten Worte ergeben Sätze und wir vermitteln dadurch unsere bildlichen Vorstellungen, Gedanken und Gefühle. Das erlernen der Muttersprache ist mit das schwierigste das wir jemals im Leben erlernen werden und nicht nur die Zeichen gehören dazu, sondern auch Melodie, Mimik, oder Gestik unterstreichen die gesprochenen Wörter.

Gerade im Familienalltag, beziehungsweise in all unseren zwischenmenschlichen Beziehungen, kann uns Sprache verbinden. Liebevoll geflüsterte Botschaften, mitfühlende Worte schaffen ein Band zwischen uns. Genauso kann sie uns aber auch trennen. Jeder von uns kennt wahrscheinlich das Gefühl, dass ein gesprochenes Wort in uns Gefühle wie z.B.  Kränkung, Zorn, Enttäuschung hervorruft. Wir haben dann vielleicht das Gefühl das wir nicht verstanden werden, oder uns nicht gesehen fühlen, oder fühlen uns angegriffen.

Es kommen immer wieder schwierige Situationen auf, die ganz oft auch aus Missverständnissen heraus entstehen. Weil wir etwas anderes sagen wollten, als der andere verstanden hat. Oder umgekehrt. Manchmal sind wir vielleicht  auch zu vorschnell und bilden uns eine Meinung die eventuell gar nicht der Tatsache entspricht.

Und warum ist das so?

Normalerweise machen wir im Elternhaus erste Erfahrungen mit Sprache und Kommunikation. Ist diese zugewandt, vielfältig? Oder wird eher wenig gesprochen, die soziale Interaktion gering? Gerade die Erfahrung mit der wichtigsten Bezugsperson(en), ist in Bezug auf die Sprachentwicklung (für die Entwicklung allgemein), von großer Wichtigkeit. Menschen kommen auf die Welt und sind neurobiologisch emotional sehr viel weiter entwickelt, als kognitiv. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass wir zuerst auf Emotionen reagieren die uns begegnen und daraus Erfahrungen sammeln. Diese Emotionen sind für uns Menschen beim entdecken, lernen, leben immer wichtig und gerade in der Kindheit lernen wir in den ersten Lebensjahren alles wichtige zum Überleben scheinbar wie von selbst. –> WENN  wir Freude empfinden, uns sicher, geliebt und geborgen fühlen. Empfinden wir Stress, oder Angst kann unser Gehirn schlecht neue Handlungen/neues Wissen abspeichern und auch abrufen.

Je nachdem wie in einer Familie miteinander gesprochen wurde, wird sich auch die Sprache beim Kind entwickeln. Natürlich machen Kinder auch Erfahrungen mit anderen Menschen im Laufe des Lebens, und doch werden die ersten Jahre viel dazu beitragen, WIE man sich selbst und seine Realität wahrnimmt, WIE der Mensch mit anderen Menschen kommuniziert und WIE man auch etwas versteht.

Paul Watzlawick „Jeder Mensch konstruiert sich seine Wirklichkeit“

Unsere Wirklich entsteht aus unseren Gedanken. Diese Gedanken werden zu Worten. Und ich glaube, dass es für uns Menschen, besonders für unsere Kinder einen ganz großen Unterschied macht, mit welchen Worten – mit welcher Form der Kommunikation, wir ihnen tagtäglich begegnen. Es macht einen Unterschied, ob ein Kind immer wieder abwertende Verurteilungen, genervte Blicke, oder Ignoranz zu spüren bekommt. Oder ob einem Kind auf Augenhöhe, mit warmer Stimme und zugewandter Haltung begegnet wird.

In letzter Zeit merke ich immer wieder, gerade hier bei uns zuhause, WIE wichtig es ist in unseren Beziehungen darauf zu achten wie wir miteinander sprechen und wie wir zuhören.

 

7 Werte & Impulse als Inspiration

Es gibt immer wieder Phasen die irgendwie unrund zuhause laufen. Und meist dauert es eine Weile, bis mir oder uns klar wird wo´s hängt. In den seltensten Fällen ist, aus meiner Sicht betrachtet, mein Mann oder meine Kinder an irgendwelchen Situationen schuld. Vielleicht denkt jetzt der ein oder andere: Ja, aber manchmal verhalten er/sie sich aber auch unter aller Kanone. Da muss man doch was entgegensetzen/deutlich werden/konsequent sein…

Ich bin mittlerweile anderer Ansicht. Ich denke, dass jeder einzelne für seine Beziehungen Verantwortungen übernehmen muss. Suche ich die Schuld beim anderen, gebe ich Verantwortung ab. Ich kann auch nicht reflektieren, oder mich einfühlen. Und ich glaube, dass das ein wichtiger Punkt für eine gelingende Kommunikation in Familien/ Beziehungen ist.

Ich will 100% verantwortlich für meine Beziehungen sein. Weil mir die Personen, die Menschen, wichtig sind. Sie sind mir so wichtig, dass ich mich immer wieder selbst frage, ob das was ich sage oder tue zu meiner Liebe, zu meinen Werten passt.

Wer meine Artikel liest, weiß das mir das Thema achtsamer Umgang ein Herzensthema ist. Und weil wir so viel miteinander kommunizieren möchte ich dir heute gerne ein paar Werte & Impulse als Inspiration mitgeben, wie du vielleicht in deinen oder euren Alltag mehr Achtsamkeit transportieren kannst.

Verantwortung: Wie oben bereits erwähnt suchen wir die Schuld immer wieder im außen. Wir sind meist selbst so erzogen und es wurde uns anerzogen für das Glück der anderen verantwortlich zu sein. Haben unsere Eltern, Erzieher, Lehrer etc. mit uns geschimpft oder uns bestraft, wurde uns die Verantwortung für eine Situation übertragen. Kinder würden anfangs NIE die Schuld bei anderen suchen, sie fühlen sich selbst schuldig. Erst später kommt das gespiegelte/erlernte Verhalten, andere (kleinere Geschwister, Mitschüler, Freunde) für das eigene Wohlbefinden verantwortlich zu machen. Kindern kann keine Verantwortung für das Familienklima übertragen werden! (Das finde ich sowieso immer so suspekt. Auf der einen Seite trauen wir ihnen nicht zu selbst zu wissen wann sie satt sind, verlangen dann aber das sie einschätzen können wie die Lage und Stimmung bei uns/zuhause ist. Um dann entsprechende Reaktionen zu erwarten…)

Diese Verantwortung kann ich schon in meiner Ausdrucksweise zum Ausdruck bringen.

Zum Beispiel: „Du nervst mich so, wenn du dieses Geräusch ständig machst“ -> Verantwortung wird abgegeben/ Persönliche Kränkung des gegenübers.

Wie wäre es wenn wir stattdessen sagen: „Ich merke das mir das Geräusch zu viel wird. Ich bekomme Kopfweh davon. Wäre es ok, wenn du damit aufhörst oder es woanders machst wo wir die Tür schließen können?“

Zur Verantwortung gehört für mich auch, eine Situation zu reflektieren – MICH zu reflektieren und mich zu fragen ob ich vielleicht auch hätte anders reagieren können. Genauso finde ich es wichtig „Es tut mir leid“ zu sagen, wenn eine Situation unglücklich verlaufen ist. Dabei geht es nicht um Recht oder Unrecht. Mir tut es immer leid, wenn wir diskutieren und streiten, weil mir meine Familie so viel bedeutet. Natürlich gehören Konflikte dazu, doch man kann eben >so< oder „so“ streiten. Und un-konstruktive Streitereien führen meist zu keiner Klärung. Sie sind belastend, verletzend und verschenkte L(i)ebenszeit.

Positive Formulierungen finden: Gerade wenn Kinder noch klein sind und anfangen ihre Welt zu entdecken, passiert es wahrscheinlich recht schnell das wir das Wort „Nein“ verwenden. Also ich glaube ich habe es anfangs wirklich oft verwendet… Heute würde ich (beziehungsweise finde ich hoffentlich 😉 ) wahrscheinlich andere Formulierungen finden, wenn ich irgendetwas nicht möchte. Mir ist es wichtig dazu noch zu sagen, dass ich hier nicht meine, dass wir zu allem Ja sagen. Positive Formulierung meint, meinem Gegenüber mitzuteilen das hier eine Grenze für mich ist, dass ganze in einer zugewandten, offenen Haltung OHNE den anderen zu verletzen.

Beispiel: „Nein, stell sofort die Vase wieder hin. Du sollst da nicht hingehen!“ stattdessen –

„Lass bitte die Vase stehen. Sie ist mir wichtig. Ich gebe dir etwas anderes zum spielen/lass uns zusammen was anderes suchen“

Ich-Botschaften Verwenden: Gerade in schwierigen Situationen, die sich vielleicht schon etwas hochgeschaukelt haben, ist es manchmal so schwer eben nicht dem anderen die Schuld zu geben. Für mich war es am Anfang sehr hilfreich mit meinen Gedanken bei dem Wort „Ich“ zu bleiben. Wie fühle ich mich? Was ist mir wichtig? So konnte ich es viel eher schaffen auch in meinen Sätzen Ich-Botschaften zu verwenden und auch wirklich von mir zu sprechen.

Beispiel: „Du hilfst nie zuhause mit“ stattdessen –

„Ich habe das Gefühl gerade vieles alleine hier zuhause machen zu müssen und ich schaffe das alles nicht. Ich wünsche mir mehr Unterstützung“

Das „richtige“ Ohr, den „richtigen“ Mund verwenden: Etwas das mir immer wieder auffällt wenn ich mit meiner Familie kommuniziere ist, dass die Informationen anders ankommen oder auch gesagt werden, als eigentlich beabsichtigt. So wird aus einer sachlichen Feststellung wie zB. „Die Socken liegen im Badezimmer auf dem Boden“, ein verstandenes „Mensch, schon wieder liegen die Socken hier rum. Kann die kein Mensch aufräumen?“ oder auch „Socken aufräumen. Jetzt.“

Laut Schulz von Thun besitzen sowohl der Sender einer Nachricht, sowie auch der Empfänger 4- Ohren bzw. 4 Münder. Das Sach – Apell – Beziehungs – Selbstoffenbarungsohr/ Mund. Je nachdem wie wir in unserer Kindheit geprägt wurden, passiert es uns dann im Alltag das wir bestimmte Ohren/ Münder bevorzugt benutzen. Vor allem in stressigen/ schwierigen Situationen. Es kann hilfreich sein sich dieser Tatsache bewusst zu werden und darauf zu achten wann wir mit welchem Ohr hören, oder wann wir uns auch mal schlicht und ergreifend im „Ton“ vergreifen. Nachfragen wie eine Botschaft gemeint war, oder was unser Gegenüber von uns möchte, kann uns dann helfen die richtige Information zu entschlüsseln 😉

Bsp.: „Ich habe Hunger“ –> „Bedeutet das, dass du Unterstützung brauchst dir selbst etwas zu machen?“ Oder: „Möchtest du das ich dir etwas zu essen mache?“ So kann man immer wieder verschiedene Ohren öffnen und unserem Kind auch helfen genaue Formulierungen zu finden.

Emotionale Botschaften senden: Wir sprechen unglaublich schnell auf Emotionen an (kein Wunder wenn uns unser emotionales Gehirn schon so lang begleitet) und in Gesprächen kann es uns helfen dem anderen relativ schnell die Botschaft, die uns wirklich wichtig ist zu vermitteln. Dabei ist es allerdings wichtig das wir auch unsere echten Gefühle transportieren. Vielleicht habt ihr das auch schon erlebt, dass euch jemand etwas gesagt hat (zum Beispiel „Mir geht es gut“) und dabei eine ganz andere unterschwellige Botschaft ankam?

Eigentlich müsste ich wohl die Authentizität gemeinsam mit diesem Punkt ansprechen. Sprich von deinen Gefühlen. Sag dem anderen wie es dir wirklich geht. Einen schönen Artikel zum Thema Emotionen findest du übrigens hier: Die fünf wichtigsten Grundgefühle – Lebeblog.de 

Vor allem Kinder spüren uns noch viel mehr, als das sie nur die gesprochene Botschaft wahrnehmen. Und hier kann auch ein Grund liegen, wenn es immer wieder Konfliktsituationen gibt. Kinder sind sehr irritiert wenn sie etwas anderes spüren als das was sie gesagt bekommen. Es ist dann häufig so, dass sie herausfinden wollen was sie da irritiert (auch wenn sie es nicht benennen können) und uns immer wieder herausfordern. Grenzen übertreten. Und wenn sie das tun, tun sie das nicht weil sie uns ärgern wollen! Sondern weil sie wissen wollen ob das was ich als Mama, oder Papa da gerade gesagt habe stimmt. Oder weil sie mir mitteilen, dass das was ich gesagt habe für sie eine Botschaft enthält die sie nicht verstehen, oder sie vielleicht sogar gekränkt hat.

<< Mir ist es erst neulich passiert, dass ich zwar positive Worte für etwas gefunden habe, in meinen Emotionen aber so wütend war, dass ich auch das transportiert hab. Mein Sohn hat mir dann zu verstehen gegeben, dass hier etwas nicht zusammen passt… Ich habe ihn verletzt, obwohl ich dachte das ich gute Worte gefunden habe. In diesem Moment wäre es wahrscheinlich „besser“ gewesen auch zu sagen das ich jetzt wütend bin und z.B. später mit ihm spreche >>

Wertschätzender Blickwinkel: Jeder Mensch ist wertvoll. Und jeder Mensch hat den gleichen Wert wie ich. Ich maße mir nicht (mehr) an über jemanden zu urteilen. Schlecht über jemanden zu reden. Mich über jemand anderen zu stellen. Zu beleidigen. Vom schlechten auszugehen. Das gelingt mir nicht immer, doch ich arbeite dran. Ich will Menschen so begegnen wie ich es auch mir wünschen würde. Und ich frage mich immer wieder: Wie würde es mir dabei gehen? Ich glaube das diese Frage ganz viel dazu beitragen kann, uns unserer Be- und Verurteilten Denkmustern bewusst zu werden. Und diese dann auch vielleicht auflösen zu können.

Denn eigentlich kommen wir auf die Welt und sind total aufgeschlossen und neugierig den anderen Menschen gegenüber. Wir Vertrauen und glauben an das Gute – in jedem von uns. Dann wird es uns aberzogen. Uns werden schlechte Absichten unterstellt „Sie will uns ja nur auf der Nase rumtanzen, uns um den kleinen Finger wickeln“ „Der tyrannisiert dich noch“ Aus kleinen Menschen die (meist) aus Liebe entstanden sind, werden Geschöpfe die berechnend, manipulierbar und erst erzogen werden müssen das sie was werden. Dabei SIND sie schon. Jeder Mensch IST. Voller Liebe und Vertrauen, Unvoreingenommen, sozial eingestellt, offen und neugierig auf das Leben.

achtsame Kommunikation

Achtsame Kommunikation, als Schlüssel zum Herzen

Ich bin davon überzeugt das achtsame Kommunikation uns viel eher erreicht, als Worte die uns gedankenlos entgegensprudeln. Es geht auch nicht darum IMMER möglichst bedacht zu sprechen und nur ja kein falsches Wort zu sagen.  Unser Alltag mit Kindern ist laut und hektisch und manchmal durchzogen von genervten Blicken oder Kommentaren. Das ist dann eben so. Dafür brauchen wir uns nicht zu schämen, oder zu verkriechen. Mir ist es einfach wichtig ein Bewusstsein dafür zu schaffen wie wir hauptsächlich mit/ über unsere Kinder, Partner und anderen Menschen sprechen.

Alles Liebe

Deine Maria

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