Kinder.

Sie sind so unterschiedlich. In ihrem Aussehen, ihrem Temperament, ihren Fähigkeiten. Und auch in ihrem Wachstum. Manche Kinder sind eher kleiner und andere größer. Manchmal traut man ihnen aufgrund ihrer Größe weniger zu und manchmal sind sie so groß, dass man vergisst wie alt sie erst sind.

Unser Großer wird nun 9. Und er ist wirklich groß für seine fast 9 Jahre. Das war schon irgendwie immer so. Oft wurden wir gefragt „Woher er denn die Größe hätte?“ Oder „Er ist ja ganz schön weit für sein Alter“. Für uns als Eltern war das auf der einen Seite unglaublich bestärkend . Wir wussten, er ist gesund und entwickelt sich gut. Auf der anderen Seite war es doch immer wieder eine Herausforderung, nicht nur die Körpergröße, oder die schnelle Entwicklung zu sehen und zu urteilen, sondern auch mit dem Herzen hinzuschauen.

Wer ist dieser Junge vor mir? Wie geht es ihm heute? Welche Herausforderungen muss er heute meistern? Was will er heute und was nicht? Und nicht nur einmal ist es passiert (wird wohl auch noch öfter passieren), dass wir ihm viel zu viel Verantwortung übertragen, oder überhöhte Erwartungen haben – weil wir nur das äußere im Blick hatten…

Andersrum geschieht eher das Gegenteil bei seinem kleinem Bruder. Alleine die Worte „kleiner Bruder“, implizieren ja vielleicht schon, was er kann. Oder auch nicht.

Es ist so wichtig, nicht nur für unsere Kinder, auch nach innen zu sehen. Und einen Menschen nicht danach zu beurteilen wie viele Jahre er auf diesem Planeten schon erlebt hat. Oder ob jemand sehr groß oder eher klein gewachsen ist. Kind ist Kind, ist Mensch. Und wahrscheinlich kennen wir alle Menschen, die schon steinalt an Jahren sind, aber im Herzen noch immer Kind – mal egal wie wir das definieren. Und genauso gibt es Menschen die noch nicht so viele Lebensjahre hier verbracht haben und trotzdem eine unglaubliche Reife und Weisheit besitzen.

Natürlich hat es uns als Eltern stolz gemacht, wenn unser „Großer“ vor seinen Altersgenossen irgendwas konnte. Oder das er so groß für sein Alter ist. Und doch steckt so manche Tücke in solchen oberflächlichen Betrachtungen… Denn daran sind meist Erwartungen geknüpft. Erwartungen die rein auf äußerliche, oberflächliche Beobachtungen beruhen. Und ich glaube, dass wir uns so nicht auf unsere Mitmenschen einschwingen können. Verbindung ist in meinen Augen dann möglich, wenn ich wirklich sehe wer vor mir steht.

Kinder kommen auf die Welt und bringen unfassbar viele Gaben mit.

Gaben die wir so auf den ersten Blick nicht immer erkennen (können). Unser Blick ist manchmal müde, oder verschleiert. Vielleicht haben wir auch einen bestimmten Blick auf Kinder. Geprägt durch unsere eigenen Erfahrungen in der Kindheit. Diese Gaben die ich meine, sind zum Beispiel ihre Teamfähigkeit mit uns Erwachsenen. Oder ihre Unvoreingenommenheit. Und auch ihre Fähigkeit im Hier und Jetzt zu versinken. Zu lernen bei allem was sie tun. Und es gibt noch so viel mehr… Nicht immer sind diese Kompetenzen für uns so ersichtlich. Ja manchmal kann es sogar für uns recht suspekt sein, oder kontrovers. Wenn wir zB. an Teamfähigkeit denken und dann ein zorniges Kleinkind sehen… Es scheint manchmal so, als ob wir vergessen, dass sich dieser kleine Mensch auch NOCH entwickeln darf.

Ganz häufig beurteilen wir nur von außen einen Menschen – Größe, Gewicht, Verhalten, Reaktionen, Kleidung, Haare etc. Nach diesem Beurteilen schließen wir ein Urteil. Und wir Vergleichen.

Und Kinder werden oft verglichen.

Leider verlieren wir dabei immer wieder den Blick für das wirklich wesentliche. Nämlich für den Menschen der vor uns steht. Wir sehen einen großen Jungen und vermuten, dass er dieses oder jenes schon können muss. Oder es kein Problem mehr sein sollte, sich alleine um Dinge zu kümmern. Oder sich das Essen auf dem Teller alleine schneiden kann. Alleine die Milchflaschen holen, zur Schule laufen. „Du bist SO groß, das kannst du ja wohl allein“ oder „Du bist schon 5 Jahre alt und kannst das noch nicht?“

Genauso kann es auch andersherum sein. Kinder die eher kleiner sind, werden immer wieder zurück gerufen. „Nein das kannst du noch nicht“ „Dafür bist du noch zu klein“. Bekommen Kinder solche Sätze immer wieder zu hören, glauben sie diese Sätze. Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein kann kein Mensch entwickeln der nicht über sich hinaus wachsen darf und keine Sicherheit erfährt, dass man so wie man ist, geliebt und angenommen wird.

Ich glaube als Eltern ist es auch gerade dann oftmals noch herausfordernder, wenn unsere Kinder gerade Entwicklungsphasen durchlaufen. Und wir an manchen Tagen nie so recht wissen WAS sie denn jetzt von uns brauchen. Auf der einen Seite lösen sie sich immer weiter von uns. Wollen die Welt entdecken, Verantwortung übernehmen und „groß“ sein. Sie philosophieren und diskutieren mit uns. Andererseits suchen sie immer wieder Verbindung, Schutz und Nähe. Auf der einen Seite begegnet uns ein Kind, dass vor seinen Freunden vielleicht cool rüberkommen will, keinen Abschiedskuss mehr braucht und sich mit den gleichaltrigen Freunden über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens unterhält, die wir Eltern nicht verstehen. Und auf der anderen Seite spielen sie mit den jüngeren Geschwisterkindern ausgelassen verstecken auf dem Spielplatz, brauchen Hilfe beim Brot schmieren, oder besonders viel Kuscheleinheiten beim einschlafen.

Kind sein. Ständig im Wechselbad der Gefühle.

Kinder brauchen Menschen die genau das sehen und verstehen. „Als Kind hat man´s doch leicht“? Ja das mag in manchen Bereichen stimmen. Sie brauchen sich lange keinen Kopf um finanzielle Dinge machen, oder andere notwendige Bereiche. Und doch haben sie es oft auch schwer. Weil sie nicht als Kind so sein dürfen wie sie sind. Sie sollen sich anpassen, möglichst beständig reagieren, nicht zu laut oder zu leise sein. Sie sollen sich auf die Zukunft vorbereiten, den Blick nach vorne richten.

Ich glaube es wäre gut, wenn sie einfach JETZT SEIN dürfen. So wie sie sich jetzt fühlen und so wie sie sind.

Das ist anstrengend für uns Erwachsene. Weil wir selbst wahrscheinlich auch dahin erzogen wurden, uns unter Kontrolle zu haben. Den Blick nach vorne und außen gerichtet.

Und sich dann auf die wechselhaften Gefühle eines kleinen Menschen einzulassen, bedeutet sich mit Gefühlen und Eigenarten auseinanderzusetzen die man vielleicht selbst lange nicht gefühlt und ausgelebt hat. Trauer. Angst. Ausgelassenheit. Verletzlichkeit. Albern sein.

Ich war als Kind gerne albern. Habe andere gern zum lachen gebracht. Lache selbst gern. Irgendwann habe ich gemerkt, dass albern sein auf Kritik stößt. „So wie ich mich jetzt zeige, werde ich nicht angenommen.“ Ich habe aufgehört albern zu sein. Und dann wieder irgendwann gemerkt, dass es Menschen gibt die das an mir mögen. Meine Schwestern. Mein Mann. Meine Kinder.

Als erwachsen Frau versuche ich wieder die Eigenarten kennen und lieben zu lernen, die ich als Kind schon mitbrachte. Als Kind war es oft nicht „erwünscht“.

Ich glaube es geht auch heute vielen Kindern so.

Ich sehe dich

Es ist nicht wichtig ob jemand groß oder klein bist. Und es kommt auch nicht darauf an, ob der kleine Mensch neben dir früher laufen kann. Und keiner muss sich „zusammen reißen“, weil man schließlich schon 8, 12 oder 28 bist – Du bist ok so wie du bist. Spiele, lerne, sammle Erfahrungen. So wie du JETZT bist.

 

Alles Liebe ♥

Deine Maria

 

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